ISMS: Business-Impact-Analyse durchführen und MTA verstehen

Geändert am Di, 27 Okt um 3:04 NACHMITTAGS

Mit der Business-Impact-Analyse (BIA) legst du fest, wie lange ein Geschäftsprozess ausfallen darf, bevor es für dein Unternehmen nicht mehr tragbar ist. Das ISMS-Modul berechnet daraus die MTA (maximal tolerierbare Ausfallzeit, international MTPD für Maximum Tolerable Period of Disruption) und gibt die Verfügbarkeitsanforderung automatisch an alle Assets weiter, von denen der Prozess abhängt. So weißt du, welche Systeme wirklich schnell wieder laufen müssen.

Gut zu wissen: Die Verfügbarkeit kommt im ISMS-Modul ausschließlich aus der BIA. Informationen haben keine Verfügbarkeitsbewertung, und an Assets trägst du sie nie selbst ein.

Voraussetzungen

  • Der Geschäftsprozess ist im ISMS-Modul angelegt.
  • Du darfst den Prozess verwalten: Du bist unter Personen als Verantwortlich eingetragen oder hast die Rolle Key User oder Admin.

Was du in der BIA bewertest

Die BIA ist eine Matrix aus Szenarien und Zeiträumen. Für jede Kombination wählst du eine Stufe der Auswirkungsskala. Die Leitfrage dahinter lautet: „Wie schmerzhaft ist es, wenn dieser Prozess ausfällt, und ab wann?“

Im Standard sind drei Szenarien hinterlegt. Jedes betrachtet den Ausfall aus einem anderen Blickwinkel:

Aufgabenerfüllung und Servicefähigkeit

Der operative Blick

Szenario 1

Wie stark beeinträchtigt ein Ausfall zentrale Aufgaben, Services, Termine oder die operative Steuerung?

Schutzpflichten und Compliance

Der rechtliche Blick

Szenario 2

Welche Folgen entstehen für gesetzliche, vertragliche oder regulatorische Pflichten, den Datenschutz oder die Sicherheit von Personen?

Wirtschaftliche und externe Auswirkungen

Der finanzielle Blick

Szenario 3

Welche finanziellen Schäden, Folgekosten, Vertragsstrafen oder Vertrauens- und Reputationsverluste entstehen?

Die Standard-Zeiträume sind 8 Stunden, 24 Stunden, 72 Stunden und 14 Tage. Bewertet wird mit der Auswirkungsskala, im Standard mit fünf Stufen:

StufeBedeutung
1 VernachlässigbarKein nennenswerter Schaden
2 GeringGeringer Schaden, im Regelbetrieb beherrschbar
3 MittelSpürbarer Schaden, mit Managementaufwand beherrschbar
4 SchwerwiegendSchwerer Schaden mit erheblichen Auswirkungen
5 KatastrophalKatastrophaler Schaden, Fortbestand gefährdet
Wichtig: Szenarien, Zeiträume und Stufen können in deiner Organisation anders konfiguriert sein. Was du im Dialog siehst, gilt. Szenarien und Zeiträume pflegt dein Admin unter Einstellungen > BIA-Konfiguration, die Auswirkungsskala ändert der Ariadne-Support.

BIA für einen Prozess durchführen

  1. Öffne Geschäftsprozesse und wähle den Prozess aus.
  2. Klicke in der Seitenleiste bei Verfügbarkeitsbedarf (BIA) auf das Stift-Symbol. Der Dialog Business-Impact-Analyse öffnet sich.
  3. Wähle für jedes Szenario und jeden Zeitraum eine Stufe. Kannst du eine Zelle noch nicht einschätzen, lässt du sie auf Nicht bewertet.
  4. Halte unter Begründung (optional) fest, warum du so bewertet hast. Das macht deine Einschätzung im Audit nachvollziehbar.
  5. Klicke auf Bewertung abschließen.

Schon während du bewertest, zeigt dir die Kopfzeile des Dialogs die resultierende MTA und die Maximale Auswirkung.

Gut zu wissen: Ein Ausfall wird mit der Zeit nie harmloser. Deshalb darf die Auswirkung von Zeitraum zu Zeitraum nur gleich bleiben oder steigen. Stufen, die niedriger sind als in der vorherigen Zelle, sind im Dialog ausgegraut.

Wann gilt die BIA als durchgeführt?

Sobald mindestens eine Zelle bewertet ist. Prozesse ohne BIA erkennst du in der Liste am Hinweis BIA ausstehend, im Dashboard erscheinen sie unter Handlungsbedarf. Setzt du alle Zellen wieder auf Nicht bewertet, ist die BIA zurückgesetzt.

Die MTA verstehen

Die MTA ist der Zeitraum, ab dem ein Ausfall nicht mehr tragbar ist. Das ISMS-Modul ermittelt sie über die Intoleranzstufe: Die MTA ist der erste Zeitraum, in dem irgendein Szenario diese Stufe erreicht. Im Standard ist die Intoleranzstufe Schwerwiegend.

Beispiel „Angebot erstellen“8 h24 h72 h14 Tage
Wirtschaftliche und externe AuswirkungenGeringSchwerwiegendSchwerwiegendKatastrophal
ErgebnisDie Intoleranzstufe wird bei 24 Stunden erreicht: MTA 24 h.

Erreicht kein Szenario die Intoleranzstufe, zeigt das ISMS-Modul die MTA als „größer oder gleich“ dem längsten Zeitraum an, zum Beispiel MTA ≥ 14 Tage.

In der Seitenleiste des Prozesses siehst du die BIA als kompakte Grafik. Die Szenarien sind dort abgekürzt, eine rote gestrichelte Linie markiert die MTA.

Was die BIA für deine Assets bedeutet

Aus der BIA entsteht die Verfügbarkeitskurve des Prozesses: die höchste Auswirkung je Zeitraum über alle Szenarien. Diese Kurve gibt das ISMS-Modul über die Abhängigkeiten an die Assets weiter, die der Prozess nutzt. Du musst die Verfügbarkeit von Systemen also nicht einzeln einschätzen, sie ergibt sich aus dem Geschäft.

BIA am Prozess
Auswirkung je Szenario und Zeitraum
→Verfügbarkeitskurve
Höchste Auswirkung je Zeitraum
→Verfügbarkeit am Asset
Über die Abhängigkeiten vererbt
Gut zu wissen: Ändert sich die Auswirkungsskala oder die Intoleranzstufe, rechnet das ISMS-Modul alle BIAs und MTA-Werte automatisch neu. Du musst nichts nachbewerten.

Tipps für eine belastbare BIA

  • Lass die BIA von der Person durchführen, die den Prozess wirklich kennt, zum Beispiel die Vertriebsleitung für „Angebot erstellen“.
  • Denke in konkreten Folgen: verpasste Termine, Vertragsstrafen, Meldepflichten. Das hilft bei der Wahl der Stufe.
  • Nutze die Begründung. Im Audit kannst du so zeigen, warum ein System innerhalb von 24 Stunden wieder laufen muss.

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